Wer zum ersten Mal eine fremde Saunalandschaft besucht, erlebt manchmal etwas Merkwürdiges:
An der Wand hängen keine zwanzig Regeln.
Und trotzdem scheint jeder zu wissen, wie man sich verhält.
Die Tür wird schnell wieder geschlossen.
Bevor man sich setzt, wird das Handtuch ausgebreitet.
Man nimmt nicht mehr Platz ein als nötig.
Und wenn alle anderen schweigen, wird man meistens automatisch etwas leiser.
In Deutschland kommt für viele internationale Gäste noch etwas Überraschendes hinzu:
In vielen klassischen Saunabereichen trägt man keine Badebekleidung.
Aber was gehört eigentlich wirklich zu einer guten Sauna-Etikette?
DARF MAN IN DER SAUNA REDEN?
Das finde ich persönlich eine der interessantesten Fragen.
Nach meiner Erfahrung sind öffentliche Saunen in Deutschland meistens ziemlich ruhig.
Die Menschen sitzen oder liegen da, schließen die Augen und unterhalten sich eher selten laut.
Trotzdem finde ich nicht, dass man in einer Sauna grundsätzlich schweigen muss.
Wenn mein Mann und ich allein in einer Sauna sind, reden wir natürlich manchmal miteinander.
Auch Freunde können sich leise unterhalten.
Unangenehm wird es für mich eher in einer anderen Situation:
Drei Menschen sitzen in einer ruhigen Sauna. Zwei unterhalten sich begeistert miteinander – und die dritte Person muss das ganze Gespräch zwangsläufig mithören.
Dann lautet die eigentliche Frage vielleicht gar nicht:
„Darf man in der Sauna reden?“
Sondern:
„Stört unser Gespräch gerade jemanden?“
Wenn man unsicher ist, kann man einfach die Atmosphäre beobachten.
Oder sogar kurz fragen:
„Stört es Sie, wenn wir uns ein bisschen unterhalten?“
Auch die Finnish Sauna Society versteht nicht jede Sauna grundsätzlich als vollkommen stillen Raum. Viel wichtiger ist eine friedliche, entspannte Atmosphäre und die Rücksicht auf andere.
In Vaskiniemi gibt es sogar eine eigene Quiet Sauna, in der besondere Ruhe erwartet wird.
Ruhe muss also nicht immer völlige Stille bedeuten.
Es geht eher um ein Gefühl für den gemeinsamen Raum.
WARUM TRÄGT MAN IN DEUTSCHLAND KEINE BADEBEKLEIDUNG?
Das ist wahrscheinlich eine der größten Überraschungen der deutschen Saunakultur für internationale Gäste.
Viele klassische öffentliche Saunabereiche in Deutschland sind:
textilfrei.
Im eigentlichen Saunaraum trägt man also normalerweise keine Badebekleidung.
Wer das beim ersten Besuch nicht weiß, muss sich natürlich nicht schämen.
Wenn eine Anlage jedoch ausdrücklich als textilfrei gekennzeichnet ist, gehört es zur Sauna-Etikette, diese Regel zu respektieren.
Ich würde deshalb nicht einfach sagen:
„Wer Badebekleidung trägt, versteht nichts von Sauna.“
Besser ist:
Wer eine neue Sauna besucht, schaut zuerst, welche Regeln dort gelten.
Denn auch in Finnland ist nicht jede Sauna gleich. Öffentliche Saunen, private Saunen, gemischte Saunen oder besondere Sauna-Zeiten können unterschiedliche Regeln haben.
Am einfachsten ist also:
Die lokalen Gewohnheiten respektieren.
DIE TÜR – BITTE WIRKLICH SCHLIESSEN
Für diese Regel braucht man eigentlich kein kulturelles Hintergrundwissen.
Eine Sauna braucht Zeit, um ihre Temperatur und Wärme zu halten.
Also:
Reingehen oder rausgehen.
Aber bitte nicht mit offener Tür noch ein Gespräch führen.
Nicht die Tür offenhalten, während man auf Freunde wartet.
Und möglichst auch nicht mit einem Fuß drinnen und einem Fuß draußen überlegen:
„Will ich jetzt eigentlich rein?“ 😂
Eine kleine Gewohnheit hilft:
Nach dem Schließen noch einmal kurz zurückschauen.
Manchmal sieht die Tür nämlich geschlossen aus – und trotzdem bleibt ein kleiner Spalt offen.
DAS HANDTUCH IST KEINE LANDKARTE
In deutschen öffentlichen Saunen gibt es eine wichtige Grundregel:
Der Körper sollte die Holzbank nicht direkt berühren.
Deshalb braucht man ein ausreichend großes Saunatuch.
Beim Sitzen sollten Körper und Füße auf dem Handtuch bleiben. Beim Liegen gilt dasselbe.
Dafür gibt es in Deutschland einen sehr bekannten Satz:
„Kein Schweiß aufs Holz.“
Das Handtuch dient also der Hygiene.
Aber es ist nicht dazu gedacht, möglichst viel Territorium zu markieren.
Gerade wenn die Sauna voll ist, kann ein kleines Stück Platz schon bedeuten, dass noch jemand sitzen kann.
Rücksicht beginnt manchmal mit zehn Zentimetern.
LÖYLY IST KEIN WETTBEWERB
In Finnland gehört es ganz selbstverständlich zur Sauna, Wasser auf die heißen Steine zu geben und Löyly entstehen zu lassen.
Aber in einer gemeinsam genutzten Sauna sollte man auch auf die anderen achten.
Nur weil es dir noch nicht heiß genug ist, bedeutet das nicht, dass alle anderen genauso empfinden.
Manche mögen kräftigen Löyly.
Andere lieber etwas sanfter.
Jemand ist vielleicht gerade erst hereingekommen.
Ein anderer sitzt schon eine ganze Weile dort.
Deshalb ist es in einer öffentlichen Sauna völlig natürlich, kurz auf die anderen zu achten oder nachzufragen, bevor noch mehr Wasser auf die Steine kommt.
Auch die Finnish Sauna Society betont, dass Sauna kein Wettbewerb darum sein sollte, wer die größte Hitze aushält.
Diesen Gedanken mag ich besonders.
Denn Sauna ist kein Wettbewerb.
MUSS DAS HANDY WIRKLICH MIT?
Diese Frage finde ich inzwischen fast schon philosophisch.
In den deutschen Saunalandschaften, die ich kenne, bleibt das Handy normalerweise zusammen mit Kleidung und Tasche draußen.
In einer textilfreien Umgebung ist ein Gerät mit Kamera ohnehin ein sensibles Thema.
Aber es gibt noch einen viel einfacheren Gedanken:
Warum nicht einmal für ein paar Minuten gar nichts anschauen?
Keine Nachrichten.
Keine E-Mails.
Keine sozialen Medien.
Keine Daten.
Vielleicht muss man nicht einmal wissen, wie spät es ist.
Einfach sitzen.
Vielleicht ist genau das heute einer der größten Luxusmomente einer Sauna.
UND WAS IST MIT MUSIK?
Meine persönliche Antwort darauf ist eindeutig:
Ich mag sie.
Ich mag Saunaräume mit Musik genauso wie Ruhezonen mit Naturgeräuschen.
Andere Menschen lieben dagegen absolute Stille.
Musik und Gespräche haben deshalb etwas gemeinsam:
Entscheidend ist nicht nur die Frage „erlaubt oder verboten?“.
Entscheidend ist auch, für welche Atmosphäre ein Raum gedacht ist.
Wenn Musik Teil des Saunakonzepts ist, gehört sie zum Erlebnis.
Wenn es eine Quiet Sauna ist, gehört die Stille zum Erlebnis.
WAS IST ALSO GUTE SAUNA-ETIKETTE?
Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert.
Die Tür schließen.
Nicht unnötig viel Platz einnehmen.
Die Regeln zu Badebekleidung oder Textilfreiheit respektieren.
Das Handtuch richtig benutzen.
Beim Löyly auf andere achten.
Vor einem Gespräch kurz die Atmosphäre wahrnehmen.
Und vielleicht darf auch das Handy einmal Pause machen.
Am Ende lässt sich gute Sauna-Etikette für mich in einem einzigen Gedanken zusammenfassen:
Es geht nicht darum, möglichst viele Regeln zu kennen.
Es geht darum, die Sauna so zu genießen, dass auch die anderen ihre Sauna genießen können.
QUELLEN
Finnish Sauna Society / Suomen Saunaseura
Sauna Bathing and Customs – Informationen zu finnischer Sauna-Etikette, Löyly, Ruhe und gegenseitiger Rücksichtnahme.
Therme Erding
Haus- und Badeordnung – Regeln unter anderem zu Textilfreiheit, Saunatüchern, Ruhe und Verhalten in öffentlichen Saunabereichen.
Vabali Spa
Hausregeln und FAQ – Informationen zur Textilfreiheit und zum Verhalten in deutschen Saunalandschaften.
0 Kommentare