Nach der Sauna: kalt oder warm duschen? – Wie man sich in Finnland abkühlt

Finnische Sauna am winterlichen See mit Eisbad, Handtuch und Musik

Nach der Sauna stellt sich für viele Menschen eine ganz praktische Frage:

Sollte man kalt oder warm duschen?

Wer öffentliche Saunen in Deutschland kennt, ist häufig an einen recht festen Rhythmus gewöhnt: mehrere Saunagänge, dazwischen Abkühlen und Ruhephasen.

In Finnland ist der Ablauf oft weniger festgelegt.

Es gibt keine bestimmte Zahl von Saunagängen und keine einzige Art, sich zwischen den einzelnen Runden abzukühlen.

Manche bleiben länger in der Sauna, andere kürzer.

Manche gehen mehrere Male hinein.

Und wenn sie aus der Wärme kommen, beginnt für jeden ein etwas anderes Ritual.

Manche gehen einfach nach draußen

Eine der einfachsten Arten der Abkühlung braucht überhaupt keine besondere Ausstattung.

Nach dem Saunagang geht man nach draußen.

Auf die Terrasse.

Vor die Saunahütte.

An den See.

Oder einfach in die frische Luft.

Gerade bei finnischen Sommerhäusern und Saunen am See gehört dieser Moment ganz selbstverständlich zum Erlebnis.

Die Haut ist noch warm, draußen ist die Luft kühl.

Man setzt sich für einige Minuten hin, trinkt etwas und lässt den Körper langsam herunterkühlen.

Im Sommer kann dabei die Abendsonne über dem See stehen.

Im Winter wartet draußen vielleicht Schnee und klare, kalte Luft.

Nicht jeder muss sofort etwas tun.

Manchmal reicht einfach:

sitzen, atmen und warten.

Andere gehen direkt in den See

Liegt die Sauna am Wasser, gehört für viele Menschen auch ein Sprung oder ein kurzer Gang in den See dazu.

Im Sommer kann das Wasser angenehm kühl sein.

Manche schwimmen eine kleine Runde.

Andere gehen nur kurz hinein, tauchen den Körper ins Wasser und kommen wieder heraus.

Bei vielen finnischen Saunen am See gehören Sauna und Schwimmen ganz selbstverständlich zusammen.

Es gibt sogar traditionelle Saunen, bei denen der See oder ein kleiner Waldteich einen wichtigen Teil der Abkühlung zwischen den Saunagängen übernimmt.

Und im Winter?

Dann wird es besonders finnisch.

Wenn die Seen zufrieren, werden an manchen Orten Öffnungen in die Eisdecke geschnitten.

Nach der heißen Sauna gehen einige Menschen hinaus und steigen für kurze Zeit ins eiskalte Wasser.

Manche nur für wenige Sekunden.

Andere kennen dieses Ritual seit Jahren.

Danach geht es zurück an die frische Luft, in den Bademantel oder wieder in die warme Sauna.

Winter- und Eisschwimmen sind in Finnland eng mit vielen Saunaerlebnissen verbunden.

Aber:

Nicht jeder Finne geht nach der Sauna ins Eiswasser.

Und niemand muss es tun, um „richtig“ zu saunieren.

Andere bevorzugen eine Dusche

Natürlich steht nicht jede Sauna an einem finnischen See.

In Stadt-, Hotel- und Privatsaunen gehört deshalb auch die Dusche ganz selbstverständlich zur Abkühlung.

Manche Menschen bevorzugen deutlich kaltes Wasser.

Andere mögen es einfach kühl.

Und wieder andere duschen zunächst angenehm und lassen den Körper danach in Ruhe weiter abkühlen.

Deshalb gibt es auf die Frage

„kalt oder warm?“

keine einzige Antwort, die zu allen Menschen und jeder Situation passt.

Warum kühlt man sich nach der Sauna überhaupt ab?

Während des Saunierens reagiert der Körper deutlich auf die Wärme.

Die Blutgefäße der Haut erweitern sich und mehr Blut fließt in die Haut.

Auch die Herzfrequenz kann steigen.

Bei einem starken Kältereiz passiert anschließend das Gegenteil:

Die Gefäße der Haut ziehen sich zusammen.

Besonders beim Eintauchen in kaltes Wasser kann der Blutdruck kurzfristig deutlich ansteigen.

Genau dieser starke Wechsel zwischen Wärme und Kälte ist einer der Gründe, warum sich kaltes Wasser nach der Sauna für viele Menschen so intensiv und erfrischend anfühlt.

Die Finnish Sauna Society weist jedoch auch darauf hin:

Kälte ist nicht automatisch besser, nur weil sie extremer ist.

Für gesunde Menschen wird der Wechsel zwischen Sauna und kaltem Wasser in der Regel gut vertragen.

Für Menschen mit bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann ein plötzlicher starker Kältereiz jedoch belastend sein.

Eiswasser ist deshalb kein Wettbewerb und keine Voraussetzung für ein gutes Saunaerlebnis.

Manche machen einfach eine Pause

Vielleicht ist genau das einer der schönsten Aspekte der finnischen Saunakultur:

Zwischen zwei Saunagängen muss nicht ständig etwas passieren.

Manche wickeln sich in ein Handtuch oder einen Bademantel.

Sie setzen sich draußen hin.

Trinken Wasser.

Reden miteinander.

Schauen auf den See.

Oder bleiben einfach für einige Minuten still sitzen.

Erst wenn es sich wieder richtig anfühlt, geht es zurück in die Sauna.

 

Und Musik?

Auch Musik und Klänge können ganz selbstverständlich zu einem Saunaerlebnis gehören.

In vielen deutschen Saunalandschaften gibt es unterschiedliche Saunaräume mit ganz eigener Atmosphäre – verschiedene Temperaturen, Dampf, Salz, Licht und manchmal auch Musik.

Auch in Ruhebereichen kann Klang Teil der Umgebung sein:

leise Musik,

Vogelstimmen,

Waldgeräusche

oder das Geräusch von Wasser.

In der privaten Sauna wird es noch persönlicher.

Vielleicht beginnt der Abend schon vor dem ersten Saunagang mit deiner Lieblingsmusik.

Vielleicht hörst du ruhige finnische Musik, Jazz, akustische Musik oder Klavier direkt in der Sauna – sofern die technische Ausstattung dafür geeignet ist.

Oder die Musik wartet draußen im Ruhebereich auf dich.

Nach einem Saunagang gehst du hinaus, kühlst dich ab, wickelst dich in deinen Bademantel und hörst einfach weiter.

Musik kann so den ganzen Saunaabend begleiten:

vor der Sauna,

während des Saunierens,

zwischen den einzelnen Saunagängen

und noch lange danach.

Manchmal ist es Musik.

Manchmal sind es Vogelstimmen, Wind oder Wasser.

Und manchmal ist es einfach Stille.

Auch das gehört zum persönlichen Sauna-Ritual.

Dann geht es vielleicht wieder zurück

So kann sich ein Saunaabend ganz natürlich entwickeln:

Wärme.

Löyly.

Nach draußen gehen.

Abkühlen.

Etwas trinken.

Vielleicht Musik hören.

Eine Weile sitzen.

Und wenn man möchte:

wieder zurück in die Sauna.

Nach der nächsten Runde kann alles wieder anders sein.

Vielleicht reicht diesmal nur die frische Luft.

Vielleicht geht man in den See.

Vielleicht unter die Dusche.

Im Winter entscheidet sich jemand vielleicht für das Eiswasser.

Ein anderer bleibt lieber im Bademantel auf der Terrasse.

Es gibt keinen einzigen richtigen Ablauf.

Also: kalt oder warm nach der Sauna?

Die finnische Saunakultur zeigt vor allem eines:

Abkühlung kann viele Formen haben.

Frische Luft.

Eine Dusche.

Ein See.

Kaltes Wasser.

Im Winter vielleicht sogar ein Eisloch.

Oder einfach eine ruhige Pause.

Jeder Mensch findet mit der Zeit seinen eigenen Rhythmus.

Vielleicht ist deshalb nicht die wichtigste Frage:

„Wie kalt muss es sein?“

Sondern:

„Wie möchte ich diesen Moment genießen?“

Und manchmal gehören dazu nur frische Luft und Ruhe.

Manchmal Wasser und Eis.

Und manchmal eine Tasse Tee und die richtige Musik.


QUELLEN

Finnish Sauna Society

– Sauna and Health Effects

Finnish Sauna Society

– Guidelines for Bathing in the Sauna

Finnish Sauna Society

– Sauna Bathing and Customs

Visit Finland

– Informationen zu finnischer Saunakultur, Seesaunen, Winterschwimmen und Eisbaden

 


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