Fünf Euro für eine finnische Sauna: Das alte Feuerwehrauto und eine mongolische Jurte in Berlin

AI-generated reconstruction of a cozy yurt with wood stove and guests in Berlin

Ein altes Fahrzeug, eine Jurte, ein Holzofen und eine Erinnerung, die auch zehn Jahre später noch immer wärmt.

Manche Erlebnisse sind wirklich erstaunlich.

Im Augenblick selbst ahnt man gar nicht, wie besonders sie sind. Vielleicht ist es einfach nur ein ganz gewöhnlicher Nachmittag oder Abend. Doch viele Jahre später sind selbst wunderschöne Orte längst ein wenig verblasst, während ausgerechnet die scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten tief in der Erinnerung geblieben sind.

Zum Beispiel ein kühler Weg aus Holzbrettern nach einem kräftigen Schneefall in Berlin, ein brennender Holzofen und dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, wenn man aus einer glühend heißen Sauna ins eiskalte Wasser springt.

Ungefähr 2016 besuchte ich gemeinsam mit einem Künstlerfreund, der in Berlin lebte, eine ganz besondere finnische Sauna.

Der Eintritt kostete, soweit ich mich erinnere, nur fünf Euro.

Damals hatte ich in China bereits viele Saunaerfahrungen gemacht. Doch erst an diesem ungewöhnlichen, etwas heruntergekommenen Ort in Berlin spürte ich zum ersten Mal den ganz besonderen Zauber der finnischen Sauna.

Eine warme mongolische Jurte

Als Erstes betraten wir eine große mongolische Jurte.

In ihrer Mitte stand ein Holzofen, in dem ein Feuer brannte. Die Wärme war wohltuend, und der Duft von brennendem Holz erfüllte die Luft.

Neben dem Ofen saß ein besonders kräftiger, stattlicher Mann, der sich offenbar um das Feuer kümmerte.

Einige Gäste hatten sich bereits umgezogen, andere waren gerade aus der Sauna zurückgekommen. Wieder andere hatten es sich in weichen Sitzsäcken gemütlich gemacht, hielten ein Getränk in der Hand und plauderten ganz entspannt mit ihren Freunden.

Diese Sitzsäcke waren unglaublich bequem. Sobald man sich hineinsetzte, versank der ganze Körper darin, als würde sogar die Zeit ein wenig langsamer vergehen.

Paare, Freunde und Menschen, die allein gekommen waren, saßen in kleinen Gruppen locker und ungezwungen um das Feuer herum.

Es gab keine aufwendige Dekoration, von Luxus ganz zu schweigen.

Aber ich mochte die Atmosphäre vom ersten Augenblick an.

So typisch Berlin.

So wunderbar frei.

Und unglaublich gemütlich.

Dann entdeckte ich etwas noch viel Lustigeres.

Diese Jurte war gleichzeitig die gemeinsame Umkleidekabine für alle!

Es gab keine getrennten Räume für Männer und Frauen. Alle zogen sich ganz selbstverständlich neben dem Ofen aus, um sich auf den Saunagang vorzubereiten.

Und der kräftige Mann saß weiterhin ganz ruhig neben dem Ofen und kümmerte sich um das Feuer.

Ich konnte nicht anders, als mich innerlich zu fragen: Ziehen wir uns hier wirklich einfach so um?

Doch als ich mich umsah, schien niemand etwas daran merkwürdig zu finden. Und nichts an der Situation fühlte sich unangenehm an.

Manche zogen sich um, manche tranken etwas, andere unterhielten sich. Nacktheit schien hier einfach etwas ganz Alltägliches zu sein.

Gerade diese Natürlichkeit, Offenheit und Ungezwungenheit machten die Atmosphäre so angenehm.

Keine Verkrampftheit, keine peinliche Scheu und nichts Anzügliches.

Nur das warme Feuer und Menschen, die einfach das Leben genossen.

Wir zogen unsere Kleidung aus und traten nackt aus der Jurte hinaus. So begegneten wir dem Schnee Berlins und der Berliner Nacht.

Unter unseren Füßen lag ein kühler Weg aus Holzbrettern. Nach wenigen Metern über die quer ausgelegten Bretter erreichten wir den Saunawagen, den ich als eine Art Bus in Erinnerung hatte.

Damals dachte ich, es sei ein Bus oder vielleicht ein größerer Transporter.

Im Inneren war nur wenig Platz, gerade genug für einige Personen.

Die Sauna war voller Menschen, und die Temperatur war hoch. Gleichzeitig war die Luft sehr feucht, denn immer wieder goss jemand Wasser auf die glühend heißen Steine.

Wolken von heißem Dampf stiegen auf, bis der kleine Innenraum ganz davon erfüllt war.

Wenn man den Saunawagen verließ und gleich nach rechts ging, stand dort ein riesiger Kunststoffbehälter mit eiskaltem Wasser.

Ich erinnere mich noch genau: Ermutigt von meinem Freund sprang ich an diesem Abend tatsächlich dreimal in dieses Eiswasser!

KI-generierte Szenenrekonstruktion: Sprung ins kalte Wasser neben der mobilen Sauna im verschneiten Berlin
KI-generierte Szenenrekonstruktion – keine historische Aufnahme.

Dieser unglaubliche Gegensatz zwischen glühender Hitze und eisigem Wasser fühlte sich an, als würde jede einzelne Zelle meines Körpers wieder zum Leben erwachen.

Natürlich war das Eiswasser nicht die einzige Möglichkeit.

Vom Wasserbehälter aus konnte man gleich wieder in die Sauna gehen oder über den Holzweg zurück in die Jurte.

Dort warteten immer das warme Feuer, die weichen Sitzsäcke und Freunde, mit denen man gemütlich plaudern konnte.

Ein wenig ausruhen, etwas trinken, sich wieder aufwärmen und dann zurück in die Sauna.

So bildeten die Jurte, der Saunawagen und der Kaltwasserbehälter ein kleines, interessantes Dreieck.

Von wohliger Wärme zu intensiver Hitze, von der Hitze in die eisige Kälte und anschließend wieder zurück in die Wärme.

Runde um Runde, ganz nach Lust und Laune, ohne jede Eile.

Die rot geklopften Rücken und der Duft der Birkenzweige in der Sauna

KI-generierte Rekonstruktion des Birkenzweig-Rituals in einer finnischen Sauna
KI-generierte Szenenrekonstruktion – keine historische Aufnahme.

Eine andere Szene ist mir bis heute besonders lebendig in Erinnerung geblieben.

In der Sauna hielten die Menschen Bündel aus Birkenzweigen in den Händen und klopften sich damit abwechselnd gegenseitig auf den Körper.

Diese Birkenzweige heißen in Finnland vihta oder vasta und gehören zu den besonderen Traditionen der finnischen Saunakultur.

Wenn man sich heute manche Sauna-Werbevideos anschaut, wirken die Bewegungen mit den Birkenzweigen oft sanft und elegant, fast wie eine besonders feine Wellnessbehandlung.

Doch was ich damals sah, war etwas völlig anderes!

Wer abgeklopft werden wollte, ging in die Hocke. Eine andere Person stellte sich daneben, nahm das zuvor ins Wasser getauchte Birkenzweigbündel und klopfte damit kräftig, Schlag für Schlag, auf den Rücken.

Das war wirklich kein zartes Streicheln.

Da wurde richtig kräftig geklopft!

Nach kurzer Zeit waren die Rücken ganz rot.

Aber alle Beteiligten schienen großen Spaß daran zu haben. Sobald einer fertig war, kam der Nächste an die Reihe.

In dieser ausgelassenen Atmosphäre schien das etwas ganz Natürliches und Fröhliches zu sein.

Natürlich sind Birkenzweige zwar biegsam, doch wie kräftig damit geklopft wird, sollte immer die Person entscheiden, die es selbst erlebt.

Ich habe damals nicht mitgemacht.

Schließlich war es mein erstes Mal, und mein jüngeres Ich war wohl noch ein wenig zu schüchtern für so etwas.

Aber vielleicht hat sich diese Szene gerade deshalb so tief in mein Gedächtnis eingebrannt, weil ich staunend danebenstand und kaum meinen Augen traute.

Zehn Jahre später kann ich mich noch immer ganz genau an diese roten Rücken erinnern – und an den frischen, unverwechselbaren Duft der Birkenblätter, der durch die heiße Luft zog.

Zehn Jahre später habe ich den Saunawagen wiedergefunden

Vor Kurzem fiel mir eines Nachts plötzlich dieser besondere Saunabesuch in Berlin wieder ein.

Ich wusste weder den Namen der Veranstaltung noch konnte ich mich daran erinnern, was für ein Fahrzeug es eigentlich gewesen war.

Aber die Jurte, das Feuer, der Holzweg, der Kaltwasserbehälter und der Duft der Birkenzweige waren noch immer da, ganz lebendig in meiner Erinnerung.

Also begann ich, nach Informationen von damals zu suchen.

Und tatsächlich fand ich historische Berichte, die meinen Erinnerungen erstaunlich nahekommen.

Im Jahr 2016 berichtete der finnische öffentlich-rechtliche Rundfunk Yle über ein ungewöhnliches Saunakunstprojekt in Berlin.

Es hieß FIREFIT und bestand aus einem alten Feuerwehrauto, das zu einer finnischen holzbeheizten Sauna umgebaut worden war.

Das Fahrzeug gehörte zum Umfeld des Projekts Freie Internationale Tankstelle des Künstlers Dida Zende. Der Ort war früher eine Tankstelle gewesen und hatte sich später in einen lebendigen Raum für Kunst, Kreativität und kulturellen Austausch verwandelt.

In den damaligen Berichten tauchten tatsächlich die Jurte, die kalte Dusche und sogar der große Wasserbehälter auf, in den man hineinspringen konnte.

Auch der Eintrittspreis von fünf Euro ließ sich durch einen zeitgenössischen Medienbericht bestätigen.

Ich konnte es kaum glauben.

Dieser Nachmittag oder Abend von vor zehn Jahren, der in meiner Erinnerung längst ein wenig verschwommen war, hatte plötzlich wieder einen Namen, einen Ort und eine Geschichte.

All die kleinen, verstreuten Bilder, die so lange in meiner Erinnerung geschwebt hatten, fügten sich auf einmal wieder zusammen. Alles wurde klarer und greifbarer.

Offenbar war ich damals ganz zufällig in ein Kunstwerk hineingeraten, das man nicht nur anschauen, sondern mit dem ganzen Körper erleben konnte.

Die einfachste Sauna und meine tiefste Erinnerung

In all den Jahren danach habe ich viele wunderschöne Saunalandschaften besucht.

Mit großzügigen Saunaräumen, eleganten Ruhezonen, stimmungsvoller Beleuchtung und vielen durchdachten Einrichtungen.

Auch diese Orte habe ich sehr genossen.

Aber wenn mich jemand fragen würde, welches Saunaerlebnis mir am stärksten in Erinnerung geblieben ist?

Dann sehe ich noch immer diesen alten Wagen in Berlin vor mir.

Die warme mongolische Jurte.

Den kräftigen Mann neben dem Holzofen.

Die Menschen, die gemütlich in ihren Sitzsäcken saßen und miteinander plauderten.

Den kühlen Holzweg unter meinen Füßen.

Den heißen Dampf, das eiskalte Wasser, den Duft der Birkenblätter in der Sauna und all die rot geklopften Rücken.

Nichts daran war luxuriös. Im Gegenteil, es war auf eine liebenswerte Weise sogar ziemlich improvisiert und einfach.

Aber da war der Duft des Holzes, das unmittelbare Erleben des eigenen Körpers, eine ganz ungezwungene Natürlichkeit zwischen den Menschen und diese junge, freie, vollkommen unbeschwerte Lebensfreude.

Vielleicht liegt genau darin etwas vom Zauber der Kultur.

Sie muss sich nicht immer in großartigen Gebäuden, ausgefeilten Ritualen oder teuren Erlebnissen zeigen.

Manchmal reichen ein altes Feuerwehrauto, eine mongolische Jurte, ein Holzofen und ein paar Menschen, die einander vorher nicht kannten und dennoch ihre Freude miteinander teilen, um einen ganz gewöhnlichen Augenblick unendlich kostbar werden zu lassen.

Fünf Euro – für eine Erinnerung, die auch zehn Jahre später noch immer wärmt.

Und bis heute glaube ich, dass dies vielleicht das unvergesslichste Saunaerlebnis meines Lebens war.

Natürlich möchte ich mich ganz besonders bei meinem guten Freund bedanken, der mich damals eingeladen hat.

Durch seine Einladung durfte ich in diese wunderbare kleine Welt eintauchen und eine Erinnerung mitnehmen, die mich wohl mein ganzes Leben begleiten wird.

Historische Quellen: Yle (25.04.2016) · WELT (28.11.2016) · FIREFIT-Projektarchiv. Das Titelbild ist eine KI-generierte Szenenrekonstruktion, kein historisches Foto.

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